Poetic Recording: Wenn das Veranstaltungsprotokoll zum poetischen Live-Erlebnis wird
Ein Poetic Recording ist ein Live-Format, bei dem eine Poetry-Slam-Künstler:in eine Veranstaltung begleitet und das Erlebte noch während des Events in einen poetischen Bühnentext verwandelt – vorgetragen zum Abschluss, als kreatives Protokoll des Tages. Aus Vorträgen, Diskussionen und Zwischentönen wird ein Text, der die Essenz der Veranstaltung auf den Punkt bringt: pointiert, emotional, unterhaltsam.
Workshop B: Zettelchaos, aber beste Stimmung
Kaffeepause → Gespräch Buffet: „endlich mal alle an einem Tisch"
Publikumsfrage 15:02: Wer macht weiter, wenn wir müde sind?
Applaus. Beamer streikt. Gelächter.
er kam als Zettel, Kaffee, Zwischenfall.
Der Beamer schwieg – doch ihr habt laut gedacht,
und aus der Frage, wer denn weitermacht,
wurde ein Tisch, an dem jetzt alle sitzen.
Das ist der Anfang. Lasst uns weiter schwitzen.
Beispielhafte Skizze zur Veranschaulichung des Prinzips – jedes echte Poetic Recording entsteht individuell aus dem jeweiligen Event.
Poetic Recording auf einen Blick
- Format
- Live entstehende poetische Zusammenfassung einer Veranstaltung, vorgetragen als Bühnen-Performance
- Dauer des Auftritts
- meist 6 bis 10 Minuten, üblicherweise zum Abschluss des Events
- Entstanden
- 2016, entwickelt von der Poetry-Slammerin Dominique Macri – als sprachliches Pendant zum Graphic Recording
- Typische Anlässe
- Tagungen, Kongresse, Firmenevents, Netzwerktreffen, Festivals, Jubiläen
- Eventgröße
- funktioniert von rund 20 Personen bis zu mehreren tausend Gäst:innen
- Kosten
- professionelle Gagen liegen meist zwischen 2.000 und 2.500 € netto pro Tag, zzgl. Reisekosten – Details zu den Kosten
Was genau ist ein Poetic Recording?
Stell dir vor, jemand sitzt den ganzen Tag in deiner Veranstaltung – hört zu, beobachtet, notiert. Nicht als Protokollant:in, sondern als Dichter:in. Während die Vorträge laufen, die Workshops arbeiten und in den Pausen die eigentlich spannenden Gespräche entstehen, wächst parallel ein Text heran: ein Poetry-Slam-Text über genau diesen Tag, mit seinen Inhalten, seinen Menschen und seinen Momenten.
Zum Abschluss betritt die Künstler:in die Bühne und trägt diesen Text vor. Das Publikum erlebt den eigenen Tag noch einmal im Schnelldurchlauf – verdichtet, überraschend, oft mit Pointen, in denen sich die Teilnehmenden selbst wiedererkennen. Das Ergebnis ist kein Protokoll, sondern ein Erlebnis: eine Zusammenfassung, die berührt und dadurch im Gedächtnis bleibt.
Der Name lehnt sich bewusst an das Graphic Recording an, bei dem Zeichner:innen die Inhalte einer Veranstaltung live visuell festhalten. Das Poetic Recording überträgt dieses Prinzip in die Sprache: Statt eines großformatigen Bildes entsteht ein Bühnentext samt Performance. Was die beiden Formate verbindet und unterscheidet, zeigt der ausführliche Vergleich.
Warum das Format so gut funktioniert
Am Ende eines langen Veranstaltungstages ist die Aufmerksamkeit meist aufgebraucht. Genau hier setzt das Poetic Recording an – mit drei Effekten, die sich in der Praxis immer wieder zeigen:
Verankerung Inhalte, die emotional erlebt werden, bleiben länger im Gedächtnis als nüchtern präsentierte Fakten. Das Poetic Recording bündelt die Kernaussagen des Tages und verknüpft sie mit einem starken gemeinsamen Moment.
Wertschätzung Die Teilnehmenden hören ihre eigenen Beiträge, Fragen und sogar Pausengespräche im Text wieder. Das erzeugt das Gefühl, gesehen worden zu sein – und stärkt die Verbindung zur Veranstaltung und zueinander.
Perspektivwechsel Als außenstehende Beobachter:in fällt der Künstler:in oft auf, was den „Betriebsblinden" entgeht. Viele Veranstalter:innen berichten, dass das Poetic Recording ihnen neue Blickwinkel auf das eigene Thema eröffnet hat.
Woher das Format kommt
Das Poetic Recording ist ein vergleichsweise junges Format: Es wurde 2016 von der Poetry-Slammerin Dominique Macri entwickelt – als Verbindung aus Poetry Slam, Improvisationskunst und der Idee des bereits etablierten Graphic Recordings. Seitdem hat es sich im deutschsprachigen Raum stetig verbreitet und gehört heute bei vielen Tagungen und Kongressen zum festen Repertoire besonderer Abschluss-Formate. Weil das Format noch jung ist, wird weiterhin mit Varianten experimentiert – vom klassischen Tages-Recap über mehrtägige Begleitungen bis zu Team-Performances mit mehreren Poet:innen. Die ganze Entstehungsgeschichte erzählt die Seite Geschichte des Poetic Recordings.
Der Kompass: alle Themen im Überblick
Diese Seite bündelt das Wissen rund ums Poetic Recording – praxisnah, fundiert und aus jahrelanger Erfahrung mit dem Format. Hier findest du Antworten auf alle Fragen, die bei der Planung auftauchen:
- Ablauf & EntstehungVom Briefing bis zum Auftritt: Wie ein Poetic Recording Schritt für Schritt entsteht – und was hinter den Kulissen passiert.
- EinsatzbereicheTagung, Kongress, Firmenfeier, Festival: Für welche Events das Format geeignet ist – und wann es nicht passt.
- Poetic vs. Graphic RecordingDie beiden Recording-Formate im direkten Vergleich – mit Entscheidungshilfe für dein Event.
- Kosten & GagenWas ein Poetic Recording realistisch kostet, wovon der Preis abhängt und wie du dein Budget planst.
- Checkliste für Veranstalter:innenAlle Punkte, die du bei Planung und Umsetzung beachten solltest – von der Anfrage bis zum Auftritt.
- Häufige FragenKurze, klare Antworten auf die häufigsten Fragen rund ums Poetic Recording.
Die drei häufigsten Fragen
Entsteht der Text wirklich live?
Ja – das ist der Kern des Formats. Der Bühnentext entsteht während der Veranstaltung aus den tatsächlichen Inhalten und Momenten des Tages. Eine gute Vorbereitung (Briefing, Programm, Themenmaterial) hilft der Künstler:in, sich einzuarbeiten, aber der eigentliche Text wird erst vor Ort geschrieben. Deshalb kann er auch nicht vorab zur Freigabe verschickt werden. Mehr dazu im Ablauf.
Für welche Events eignet sich ein Poetic Recording?
Grundsätzlich für alle Veranstaltungen, bei denen über mehrere Stunden Inhalte entstehen und Menschen etwas gemeinsam erleben: Tagungen, Kongresse, Firmenevents, Netzwerktreffen, Bildungstage, Festivals oder Jubiläen. Wichtig ist genug Zeit und „Stoff", aus dem ein gehaltvoller Text entstehen kann. Details in den Einsatzbereichen.
Was kostet ein Poetic Recording?
Nach unserer Buchungs- und Vermittlungspraxis liegen professionelle Gagen, die Vorbereitung, ganztägige Begleitung und Auftritt abdecken, meist zwischen 2.000 und 2.500 € netto pro Tag, zuzüglich Reisekosten und ggf. Übernachtung. Je nach Rahmen des Events kann die Gage deutlich höher liegen; unter besonderen Bedingungen – etwa bei kleinen Budgets oder mit vielversprechenden Newcomer:innen – sind auch Konditionen ab etwa 1.000 € möglich. Eine ausführliche Aufschlüsselung findest du auf der Kosten-Seite.
Wer hinter diesem Portal steht
Dieses Portal ist kein anonymes Ratgeber-Projekt. Gepflegt wird es von Marius Hanke alias Zwergriese – Poetry Slammer aus Essen, seit 2013 auf den Bühnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs, mit über 500 Auftritten vor Publikum von 30 bis 3.000 Menschen. Seit 2019 setzt er selbst regelmäßig Poetic Recordings um – von kommunalen Konferenzen bis zu Führungskräfte-Events mit mehreren hundert Teilnehmenden. Neben der Bühne arbeitet er als Texter und Konzeptioner und hat mit Artbookings eine Künstler:innen- und Event-Agentur gegründet. Das Wissen auf diesen Seiten stammt also nicht aus Prospekten, sondern direkt aus der Praxis. Mehr dazu – inklusive extern dokumentierter Projekte – auf der Autorseite; zur künstlerischen Arbeit: zwergriese.com
Du planst gerade ein Event?
Dieses Portal soll dir zuerst einmal Wissen an die Hand geben. Wenn du darüber hinaus überlegst, ein Poetic Recording für deine Veranstaltung umzusetzen, beraten wir dich gerne persönlich und unverbindlich – von der Frage, ob das Format überhaupt zu deinem Event passt, bis zur Auswahl der passenden Künstler:in.